Warum Aquarell und Passepartout so gute Freunde sind!

Heute werfe ich mal den Schlaumeier-Modus an und prahle mit meinem Fachwissen aus der Bauphysik um zu erklären, warum Passepartouts und Aquarelle so gute Freunde sind!

Passepartout, was ist das eigentlich?

Ein Passepartout ist ein Rahmen aus dickem Karton, der um ein Bild gelegt wird, bevor es in den Bilderrahmen kommt. Es erfüllt den Zweck, das Bild schön in Szene zu setzen. Ein Passepartout hat aber noch eine weitere sehr wichtige Eigenschaft: Das Passepartout bringt einen Abstand zwischen Glas und Bild! Gerade bei Original-Bildern kann ein direkter Kontakt der Bildoberfläche mit dem Glas fatale Folgen haben! Gleich verrate ich dir, warum und was passieren kann!

Aquarell… das Original

Ein originales Aquarell ist oft nicht versiegelt um den charmanten Charakter des offenen Papiers zu behalten. Aquarellfarben sind Wasserlöslich, was sie so leicht zu verarbeiten macht. Sie sind sehr beliebt bei vielen Künstlern und sehr oft werden Originale auf Bestellung angefertigt. Aufgrund der Wasserlöslichkeit der Pigmente sind Aquarelle aber auch mitunter sehr empfindlich eben auf Wasser.

Jetzt mag man denken: Na das Aquarell kommt doch in den Rahmen und ist dort geschützt!, aber genau das könnte dem Aquarell zum Verhängnis werden. Warum das so ist, mag auf den ersten Blick nicht offensichtlich erscheinen, weswegen hier oftmals erhöhter Erklärungsbedarf nötig ist.

Das Glas kann gefährlich werden!

Luftfeuchtigkeit ist etwas, das sich überall hin verzieht. Dass ein Aquarell also nicht ins Bad oder in die Küche sollte, mag direkt einleuchtend sein. Aber nichts (wirklich gar nichts auf dieser Welt) ist wirklich 100%ig sicher vor eindringender Luftfeuchtigkeit. Ein winziger Riss, ein kleiner Spalt oder einfach die Luftdurchlässigkeit von Holz reichen dem in der Luft gelösten Wasser um überall hin zu gelangen. Wirklich! Überall!

Das Übel an der Geschichte ist folgendes: Luftfeuchtigkeit möchte auch wieder trocknen. Das geht aber hinter einer undurchlässigen Scheibe aus Glas nicht! Ja genau, Feuchtigkeit kommt „überall“ (du weißt, was ich meine) durch, aber eben nicht durch Glas. Und wenn irgendwo weniger Luftfeuchtigkeit ist, als anderswo, will sie sich natürlich ausgleichen. Ist also einmal die Umgebung „feuchter“ als der Bereich hinter Glas, gibt es dort schwuppdiwupp ein Übermaß an Luftfeuchtigkeit, die da so schnell nicht mehr raus kommt.

Keine Sorge, ich will hier keinem Angst machen! All das geschieht in kleinen Mengen! Es wird nicht gleich einen Wasserfall hinter der Glasscheibe geben! (So, genug Ausrufezeichen in drei Sätzen!!!)

Man merke sich also: Luftfeuchtigkeit ist überall. Meistens ist sie auch gar nicht schlimm. Sie darf nur nicht kondensieren!

Die Wahl der falschen Wand könnte Fatal enden!

Wasser kondensiert an kalten Oberflächen, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist. Du kennst sicherlich den beschlagenen Spiegel nach dem Duschen. Da ist dann sehr, sehr viel Luftfeuchtigkeit im Spiel. So viel wird es hoffentlich nie nie nie in deinem Aquarellbild geben.

Luftfeuchtigkeit muss nicht immer in so großem Ausmaß kondensieren, wie beim Dusch-Marathon in der heimischen Wellness-Oase. Kleine Mengen sieht man mitunter gar nicht auf den ersten Blick.

Glas hat eine hohe Wärmeleitfähigkeit, kühlt also schnell ab (Wärme wird abgeleitet). Im Vergleich zu Papier, Holz, Putz, Stoff… Du kennst das kalte Gefühl, im Winter an eine Fensterscheibe zu greifen.

Was möchte also die Luftfeuchtigkeit hinter dem Glas in deinem Bilderrahmen tun, wenn es abkühlt? Genau! Kondensieren. An der Innenseite. Verflixt! – Wo kühlt die Scheibe am ehesten ab? An Außenwänden.

Was genau sind jetzt die Außenwände? Das sind die Wände eines Hauses, die zur Umgebung führen. Zum Garten, zur unbeheizten Garage zum Beispiel. Dort ist der Temperaturunterschied mitunter schnell recht hoch. Wenn zum Beispiel im Winter das Fenster zum Lüften geöffnet wird, kann der Temperaturunterschied schnell sehr groß werden.

Vorsicht Altbau!

Manche Häuser haben wunderbar gedämmte Wände. Da wird es nicht so schnell kalt an der Wand. Andere Häuser, vor allem Altbauten, sind nicht so gut gedämmt. Dort kommt es zu starken Temperaturunterschieden. Wenn man nicht gerade der Renovierungswütige Hauseigentümer ist, kann man an sowas normalerweise auch nichts drehen.

Passepartout: Die Lösung ist so einfach.

Wir wissen: Wasser kondensiert an kalten Oberflächen und kann dort unter Umständen Tröpfchen bilden. Aquarelle reagieren empfindlich auf Wasser, sie sind immerhin mit wasserlöslichen Pigmenten gemalt.

Wäre es nicht schön, wenn das Glas einfach nicht mit dem Papier in Berührung kommen würde? Ja, das wäre fabelhaft! Die Lösung liegt so nah und sieht auch noch so wahnsinnig hübsch aus. Sie heißt: Passepartout und kann überall dort gekauft werden, wo Rahmen noch selbst hergestellt werden. Manchmal gibt es auch fertige Passepartouts, die vielleicht sogar in deinen Rahmen passen.

Fazit

Wir wissen nun, wie sich Luftfeuchtigkeit verhält, wie Aquarell funktioniert und wie wir verhindern können, dass sich beide Fakten nicht gegenseitig schaden. Aquarelle lieben Passepartouts, die einen kleinen aber völlig ausreichenden Abstand zwischen sie und das Glas bringen. Easy Peasy, oder?

8 Idee über “Warum Aquarell und Passepartout so gute Freunde sind!

  1. Mia sagt:

    Schöner Beitrag! Und gut zu wissen, werde ich im Hinterkopf behalten. :)
    So ein Passpartout sieht aber auch gut aus, ist aber auch nicht einfach zu bekommen…

    LG Mia

    • Julia Faßhauer sagt:

      Hey Mia :)
      Mein Lieblings Passepartout-Dealer ist „Alles Rahmen„. Da kann man entweder in Berlin vorbei gehen oder einfach online bestellen! Mach ich ständig!
      Alles Liebe,
      Julia

  2. Eva Peters sagt:

    Danke für die Hintergrundinfos, Julia. Ich hatte bei Passepartouts eher den optischen Effekt im Fokus. Dass sie auch das Bild schützen, war mir gar nicht klar!

    Viele Grüße
    Eva

    • Julia Faßhauer sagt:

      Hallo Karl, ja das stimmt. Die Wände würden irgendwann aufgrund der Feuchtigkeit und der Temperatur anfangen zu schimmeln. Da sollte man dann auf jeden Fall Maßnahmen ergreifen um seine vier Wände zu schützen! Das habe ich nicht bestritten. Um den Erhalt der reinen Bausubstanz geht es in meinem Artikel nicht, das passt nicht zum Thema des Blogs :) Damit schlägt man sich doch eher im Brot-Job herum ;)
      LG
      Julia

  3. Tina Blitzlicht sagt:

    Danke für all die wertvollen Infos!
    Meine Blaudrucke rahme ich auch am liebsten mit einem schönen Passepartout, gern mit etwas Speck zu den Bildrändern, damit man die herrlichen Büttenpapier- Risskanten sehen kann <3 Bei Alles Rahmen haben wir einmal einen zugeschnittenen Bilderrahmen bestellt – großartig!!

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