Lorraine Loots – „postcards for ants“ im Interview

Lorraine Loots ist die Mutter der Miniatur-Gemälde. Mit ihrer Reihe „Postcards for ants“ hat sie unzählige Miniatur-Malereien geschaffen, die ihres Gleichen suchen. Mit unendlicher Liebe zum Detail malt sie winzige Bilder mit einer Größe von 8 bis 30 mm. Sie ist eine typisch chaotische Künstlerin und hat einen Trend geschaffen, den ich euch heute vorstellen möchte.

Lorraine Loots Fragen und Antworten

Es hat nur ganze sieben Wochen gedauert, bis ich auf die Interviewanfrage von Lorraine Loots eine Antwort bekommen habe. Ihre Antworten waren ausführlich und auf englisch. Ich gebe mein Bestes, sie sinngemäß zu übersetzen!

Vorhang auf für Lorraine Loots:

Wie bist du auf die Idee zu der Serie von Miniaturzeichnungen gekommen?

Ironischer Weise hatte ich die Idee, nachdem ich entschieden hatte, meine Karriere als Künstlerin an den Nagel zu hängen. Ich wollte allerdings nicht aufhören zu malen, also startete ich dieses Projekt, in dem ich mir eine Stunde am Tag Zeit gab, etwas zu kreieren. Das einzige, was ich in dieser kurzen Zeit fertig stellen konnte, waren Miniaturen, so war das Projekt „365 Gemälde für Ameisen“ geboren. Das zweite Projekt waren dann „365 Postkarten für Ameisen“.

Wann kam dir die Idee zu den Miniaturzeichnungen?

© Lorraine Loots

Ende 2012 machte ich einen Business Kurs für Künstler an der UCT school of Business. Nach drei Monaten büffeln über Steuern, Werbung und Business Pläne entschied ich, dass ich doch keine Berufskünstlerin sein wollte. Gleichzeitig wusste ich aber, dass ich auch nicht mit der Kunst aufhören wollte. Als Abschlussarbeit des Kurses musste ein Businessplan her, also startete das Projekt „365 Gemälde für Ameisen“, das es mir erlaubte, neben meinem normalen Job in einer Stunde am Tag ein kleines Kunstwerk zu vollenden.

Warum nennst du deine Serie „Gemälde für Ameisen“ und wie groß sind deine Werke?

Die Papiere haben eine Größe von 10 x 10 cm und die Bilder variieren von 8 bis 30mm im Durchmesser. Als ich mit den Miniaturen anfing, meinten die Leute „Oh, das ist schön. Aber warum machst du so etwas kleines?“ Ich fing an damit zu antworten, dass die Bilder für Ameisen seien.

Was inspiriert dich zu deinen täglichen Kunstwerken?

Zuerst wollte ich einfach nur alles zeichnen, was mir in den Sinn kam: Alltägliche Objekte, oder was mir so unter kommt. Als allerdings Kunden anfingen, Vorbestellungen für Tage zu machen wollten sie auch gerne wissen, was sie in etwa erwarten konnten und machten Vorschläge. Davon wurde ich inspiriert, fing aber 2014 an, jeden Vorschlag immer nur auf Cape Town (meine Heimat) zu beziehen. Ich akzeptierte nie weniger als 5 Vorschläge pro Vorbestellung, sodass ich immer genug Auswahl hatte und das beste für mich heraussuchen konnte.
Für 2015 entschied ich mich, vier meiner Lieblingsthemen auszuwählen und daraus alles zu malen, wonach mir der Sinn stand. Ich brauchte etwas mehr Freiheit nach 2 Jahren durchgängiger Auftragsarbeiten.

Hast du schon immer so klein gemalt?

Nein, aber ich war schon immer detailverliebt. Kleinere Bilder zu malen erlaubt mir einfach, den Detailgrad zu gewährleisten, den ich liebe. Bei größeren Bildern würde es ein Leben lang dauern, ein Bild fertig zu stellen. Des Weiteren liebe ich die Intimität dieser Bilder – Du musst ganz dicht heran gehen, um sie wirklich erkennen zu können.

Wie lange brauchst du für eine Miniatur?

Anfangs habe ich mir nur eine Stunde Zeit gegeben, um ein Bild fertig zu stellen. Inzwischen ist es aber ein Vollzeitjob geworden. Manchmal male ich bis zu 9 Stunden an einem Bild. Meistens sind es aber 6-8 Stunden.

Verkaufst du deine Werke?

Ja. Die 2013er Kollektion war im Dezember 2013 schon komplett verkauft, obwohl noch gar nicht alle Bilder fertig waren. Die 2014er Kollektion war Mitte Juli 2014 ausverkauft. Neben den Originalen habe ich auch eine kleine Limitierte Printkollektion. Von 2013 und 2014 gibt es große Übersichtsposter, auf denen jeweils alle 365 Bilder des Jahres abgebildet sind.

Die Werke gibt es auf www.paintingsforants.com und auf www.lorraineloots.com, solange der Vorrat reicht.

Die 2015er Bilder werden alle auf Instagram versteigert. Eine winzige Limited Edition von nur 10 Drucken wird ende diesen Jahres zum Kauf angeboten.

Hattest du auch Tage, an denen es dir schwer fiel, an dem Projekt zu arbeiten?

Natürlich! Einmal war ich so krank, dass ich es gerade mal geschafft habe, mich aus dem Bett zu schleifen. Das Arbeiten an den Bildern hat mich meine ganze Willenskraft gekostet.
Wir verloren einen Tag vor dem Start des 2014er Projekts ein enges Familienmitglied. Auch da war es furchtbar schwer für mich.
Das Leben geht aber weiter und manchmal muss man sich durchbeissen.

Wie lange dauert es, bis ein Druck fertig ist?

© Lorraine Loots, Arbeitsplatz

Das Malen dauert sechs bis acht Stunden. Die Drucke dauern dann tatsächlich nochmal viel länger. Die Originale werden gescannt, in Photoshop von Nebel und Staub befreit und die PDFs an die Druckerei geschickt. Gedruckt werden sie in Cape Town. Dann folgt das Unterschreiben, Datieren, Stempeln, das Schreiben von Nachrichten, das Verpacken und das Verschicken als versicherte Post.

Machst du auch manchmal mehr als ein Bild pro Tag?

Sehr, sehr selten. Es ist extrem zeitaufwändig und fordert viel Konzentration, ein Bild fertig zu stellen. Meine Augen brauchen etwas Ruhe und Entspannung zwischen zwei Bildern.

Benutzt du eine Lupe?

Nein.

Welche Materialien benutzt du?

Momentan nur Aquarell.

Wie bleibst du motiviert?

© Lorraine Loots

Manche Tage sind wirklich hart. Ich glaube, der Druck, jeden einzelnen Tag etwas für jemand anders erstellen und veröffentlichen zu müssen und nie einen freien Tag haben zu dürfen belastet dich auf eine unterbewusste Art und Weise. Das atemberaubende Feedback und das Gefühl, jeden Tag einem viel größeren Ziel einen Schritt näher zu kommen, ist das, was mich weitermachen lässt. Diese Belohnung ist groß.

Was machst du an vielbeschäftigten Tagen?

Diese Tage gibt es tatsächlich sehr oft. Ich muss mir dann einfach die Zeit zum Arbeiten nehmen, auch wenn es bedeutet, dass ich bis 4 Uhr morgens arbeite.

Wo arbeitest du? Im Atelier oder Draussen?

Ich habe ein kleines Reise-Mal-Set, also kann ich, solange ich genug Licht habe, von überall arbeiten. Ich habe schon an einigen lustigen Orten gemalt. Während einer 26-Stunden-Bus-Tour, auf dem Boden unseres Zimmers in Paris, im Himalaya…
Aber es ist jedes Mal schön, wieder in den Komfort des eigenen Arbeitstisches zurück zu kommen. Inzwischen ist es so, dass ich oft in kleinen Cafés arbeite, aber ich bin auch gerne bei einem Freund im Atelier.

Noch etwas, das du hinzufügen möchtest?

Ursprünglich dachte ich, das Projekt wäre eine gewaltige Aufgabe, eine Challenge wie ein Marathon oder etwas, das ich überleben muss. – Und das war es wirklich.

Aber es wurde auch irgendwie meditativ, ruhig und eine heilige Zeit am Tag. Als die Tage verstrichen und das Ende des ersten Projektes näher rückte, wurde ich immer trauriger. Der Gedanke, mit dem Projekt aufhören zu müssen, betrübte mich.

Irgendwann erinnerte ich mich – nein, mir wurde erst bewusst – dass das ja mein Projekt war und dass ich es war, die es ins Leben gerufen hat. Und wenn ich wollte, dass es weiter ging, dann konnte ich das auch so bestimmen. Also tat ich es. Bis heute.

Wo findet man Lorraine Loots und die Gemälde für Ameisen?

Lorraine hat mehrere Social Media Kanäle und natürlich ihre Homepage.
Du kannst sie hier finden:

Das Buch „Postcards for Ants“ kann bei Lorraine für etwa 50€ vorbestellt werden. Verschickt werden sie voraussichtlich im November 2015.

zum Buch

Wie findest du diese wunderbaren winzigen Gemälde, die Lorraine zur Mutter der Miniaturbilder gemacht hat? Malst du auch so klein oder doch lieber in großen Formaten?

Schreib es in die Kommentare!

Fotos © by Lorraine Loots & Francois Venter

6 Idee über “Lorraine Loots – „postcards for ants“ im Interview

  1. Anne sagt:

    Liebe Julia, vielen Dank, dass du bei meiner Linkparty mitgemacht hast. Die Bilder von Lorraine sind ja echt der Hammer….bin ihr gleich mal bei Instagram gefolgt. Und dir natürlich auch :-) Viele liebe Grüße, Anne

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